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Absturzsicherung

Synonyme:
Auffangeinrichtung, Absturzsicherungsmaßnahmen, Umgang mit Absturzkanten, Wie kann ich mich gegen Absturz schützen?, Was ist eine Absturzsicherung?, Was ist das TOP-Prinzip (Arbeitsschutz)?

Definition

Einrichtungen, welche eine oder mehrere Personen vor dem Übertreten einer Absturzkante zurückhalten oder nach dem Übertritt einer Absturzkante über einen systematisch kontrollierten Sturz angemessen vor schwereren Verletzungen schützen. Unterschieden werden:

  • 1: Absperrung
  • 2: Abdeckung
  • 3: Seitenschutz bei horizontalen Flächen
  • 4: Seitenschutz bei geneigten Flächen
  • 5: Laufbrücken
  • 6: Lastverteilende Beläge
  • 7: Arbeitsgerüste
  • 8: Schutznetze
  • 9: Hubarbeitsbühnen
  • 10: Zugangs- und Positionierungsverfahren unter Verwendung von Seilen
  • 11: Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz
  • 12: Leitern

Quelle: Leitfaden Absturzsicherung der BG Bau (international)

Einordnung in die Systematik

Absturzsicherungen dürfen nur dann eingesetzt werden, wenn eine bauliche Maßnahme zur Vermeidung eines Absturz- oder Versinkungsrisikos an Absturzkanten z.B. durch Verlegung von Wegen nicht erreicht oder erwartet werden kann.
Vermeidungsstrategien einer Versinkungs- oder Absturzgefährdung sind grundsätzlich über eine Gefährdungsbeurteilung zu planen. Bei der Planung von Absturzsicherungen muss die Gefährdungsbeurteilung dabei eine Gegenüberstellung der Möglichkeiten aus baulicher Umstrukturierung bzw. technischer Möglichkeiten und alternativ organisatorischen bzw. Individuelle Lösungen nachvollziehbar darlegen.

vgl.: TRBS 2121 (Absturzgefährdung - allgemeine Anforderungen)

Planung einer Absturzsicherung

Es empfiehlt sich, vorab eine konkrete Vorstellung über die Abhängigkeit der Arbeitsaufgabe von der jeweiligen Absturzkante zu entwickeln. Antworten auf folgende Fragestellungen unterstützen dabei die Auswahl der wirtschaftlich sinnvollsten Lösungen:

  • Fehlt eine Absturzsicherung auf dem Weg zur Arbeitsstelle mit Arbeitsaufgabe?
  • Fehlt eine Absturzsicherung direkt an der Arbeitsstelle wo die Arbeitsaufgabe ausgeführt werden soll?
  • Anzahl der später von der Absturzsicherung abhängigen Personen?
  • Voraussichtliche Dauer der geplanten Arbeitsaufgabe?
  • Handelt es sich um eine zyklisch wiederkehrende Arbeitsaufgabe (z.B. Routineprüfung)?
  • Tritt im Bereich fehlender Absturzsicherung eine Arbeitsaufgabe (z.B. Störung) möglicherweise ohne Vorwarnzeit auf und wie schnell (Unterbrechungsschaden) muss diese gelöst werden?

Auswahl einer Absturzsicherung im TOP- Prinzip

Soll die Arbeitaufgabe betriebsintern gelöst werden, dann muss die Auswahl einer geeigneten Absturzsicherung über die Reihenfolge des TOP-Prinzips erfolgen. Alternativ besteht natürlich die Möglichkeit eine Arbeitsaufgabe in oder an absturzgefährdeten Bereichen auch auf externe Fachfirmen mit dort vorhanden qualifiziertem Personal und dort vorrätig, geeignet und geprüfter Ausrüstung zu übertragen. Unternehmer- und Betreiberpflichten gehen in Belangen des Arbeits- und Gesundheitsschutz aber nur dann wirkungsvoll auf den Nachunternehmer über, wenn diese explizit, verbindlich und mit festgelegtem Rahmen vertraglich geregelt werden! Entsprechende Nachweise (fachliche und körperliche Eignung) bzw. Dokumentation (Gefährdungsbeurteilung, Rettungsplan für den Einzelfall) müssen dennoch vom Betreiber eingeholt und überprüft werden.

(T) echnische und/oder (O) rganisatorische Lösung

  • wirkungsvolle Zutrittseinschränkungen
  • Verlegung und Kennzeichnung vorgeschriebener Wege (Laufwegsysteme)
  • Bauliche Installationen (Geländer, Durchtrittssicherung, Ortsfeste Leiter mit Rückenfangkorb oder Stoßdämpfende Bodenbeläge)
  • Temporäre Installationen (Gerüste, Geländer)
  • Temporäre Auffangeinrichtungen (Personenfangnetz)

Technische und organisatorische Lösungen stellen eine Möglichkeit dar, auch größere Personengruppen (Kollektivschutz) vor und an einer Absturzkante gegen Absturz zu sichern. Zur Erledigung der ursprünglich geplanten Arbeitsaufgabe stehen diese allerdings erst nach Errichtung und Inbetriebnahme als vervollständigte Gegenmaßnahme zur Absturzgefahr zur Verfügung.

(P) ersönliche Lösung

  • Persönliches Absturzschutzsystem nach DIN EN 363
    • 9: Hubarbeitsbühnen, Arbeitskörbe, Befahranlagen (Einsatz verpflichtet zur Verwendung von PSA gegen Absturz)
    • 10: Zugangs- und Positionierungsverfahren unter Verwendung von Seilen
    • 11: Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz

Der Lösungsansatz einer bestehenden Absturzgefährdung mit Persönlichen Absturzschutzsystem nach DIN EN 363 zu begegnen setzt die Verfügbarkeit von geeignetem Tragwerk oder ortsfesten Anschlageinrichtung voraus. Eine Unterweisung der Anwender durch Ausbilder an Ausbildungsstätten nach DGUV Grundsatz 312-001 ist unablässlich.

Links:


Tipp: Übersicht: Relevante Gesetze, Vorschriften und Regeln

angelegt: 18.10.2014 23:05, letzte Änderung: 07.09.2018 10:18